
Lieferantenbewertung
Teil von Lieferantenbewertung mit nachvollziehbaren Kriterien aufbauen
Bewertungsgespräch vorbereiten: Beobachtung, Einschätzung, Maßnahme
Bewertungsgespräch mit Lieferanten vorbereiten: Gesprächsbogen mit belegter Beobachtung, Quelle, Einschätzung und Maßnahme plus Termin und Nachweis.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Trennen Sie im Bogen drei Dinge: belegte Beobachtung mit Quelle, Ihre Einschätzung, vereinbarte Maßnahme.
- Jede Maßnahme braucht Verantwortlichkeit, Termin und Nachweis, sonst bleibt sie eine Absicht.
- Kommunizieren Sie Bewertungsergebnisse regelmäßig, per E-Mail oder im persönlichen Gespräch, nicht nur einmalig.
Vom Bewertungsbogen zum Gesprächsbogen
Ein Lieferantengespräch über Bewertungsergebnisse beginnt nicht mit der Einschätzung, sondern mit der Beobachtung. Der BME-Leitfaden ordnet Lieferantenstrategien in drei Stufen: Bei der passiven Strategie wird der Lieferant über die Ergebnisse der Lieferantenbewertung und die Ziele des Unternehmens informiert und zeigt selbst Maßnahmen auf. Bei der begleiteten Strategie werden Ergebnisse und Ziele ausführlich mit dem Lieferanten besprochen und notwendige Maßnahmen gemeinsam identifiziert und priorisiert.
Bei der aktiven Strategie kommen gemeinsame Projekte und Aktionen hinzu, mit denen beide Seiten die Versorgungslage langfristig verbessern wollen. Welche Stufe Sie wählen, bestimmt, wie viel Spielraum das Gespräch hat.
Daraus folgt der Ablauf, den der Bogen abbilden muss. Erstens: Was ist passiert, und wo steht es geschrieben? Zweitens: Wie schätzen Sie das ein? Drittens: Was vereinbaren beide Seiten? Wer diese drei Ebenen vermischt, diskutiert im Gespräch über Eindrücke statt über Fakten.
Ein Audit liefert einen zweiten Beobachtungspool. Nach IHK-Darstellung endet ein Audit in der Regel mit einem Abschlussgespräch, in dem der Corrective Action Plan besprochen und unterzeichnet wird; das auditierte Unternehmen wird gebeten, zu den identifizierten Abweichungen Stellung zu nehmen und definiert selbst Korrekturmaßnahmen. Genau diese Stellungnahme gehört als eigener Punkt in die Gesprächsvorbereitung, bevor Sie Ihre Einschätzung formulieren.
Gesprächsbogen mit sechs Spalten
Die folgende Struktur ist eine eigene Arbeitsvorlage, keine Vorlage aus den erfassten Quellen. Sie füllen sie vor dem Termin aus und ergänzen sie im Gespräch.
| Belegte Beobachtung | Quelle | Einschätzung | Maßnahme | Verantwortlichkeit | Termin und Nachweis |
|---|---|---|---|---|---|
| B-01 Terminüberschreitung von 5 Tagen | Wareneingangsdaten | ausbaufähig | Lieferplan erstellen | Einkauf | 30.06., aktualisierter Lieferplan |
| B-02 keine Rückmeldung zur Änderungsanfrage | Kontaktprotokoll | ausbaufähig | fester Ansprechpartner | Lieferant | 15.07., benannter Ansprechpartner |
| B-03 korrekte Selbstauskunft | Fragebogen | verlässlich | keine | - | - |
Die Beobachtungen, Namen, Daten und Termine sind ein redaktionelles Muster, kein belegter Fall. Ersetzen Sie jede Zeile durch Ihre eigenen Nachweise.
Beachten Sie bei der Auswertung: Nicht jede gute Leistung braucht eine Maßnahme. Wird nur an Schwachstellen gearbeitet, verschiebt sich das Gespräch in eine Mängelliste. Eine Bestätigung wie B-03 dürfen Sie explizit aussprechen; die Norm nennt Beziehungsmanagement als einen Grundsatz des Qualitätsmanagements, und zu den Zielen zählt die Verbesserung der internen Kommunikation und des Verständnisses der Prozesse.
Ebenso wichtig: Informieren Sie den Lieferanten über Ihre Kriterien, bevor Sie bewerten. Das Umweltbundesamt empfiehlt für die Energieeffizienz, Lieferunternehmen über die interne Bewertung zu informieren und dies zu bestätigen. Dasselbe Prinzip gilt für jedes Kriterium, das Sie im Gespräch ansprechen.
Gespräch führen und Maßnahmen nachhalten
Beginnen Sie mit den Beobachtungen, nicht mit dem Urteil. Legen Sie dem Lieferanten die Datenquelle vor, aus der die Beobachtung stammt. Erst danach folgt Ihre Einschätzung, klar als solche gekennzeichnet.
Als Orientierung für das Gespräch dient die letzte Stufe der Präsentation: Der beschriebene Ablauf eines Lieferantenauswahlprozesses endet mit einer abschließenden Präsentation der Ergebnisse mit Entscheidungsempfehlung. Übertragen auf das Rückmeldegespräch heißt das: keine Zahlen ohne Einordnung, keine Einordnung ohne Empfehlung.
Drei Fragen pro Maßnahme sichern die Nachverfolgung: Wer ist verantwortlich? Bis wann? Woran erkennen beide Seiten die Erledigung? Fehlt einer dieser drei Punkte, ist die Maßnahme im nächsten Gespräch wieder offen. Orientieren Sie sich am SMART-Grundsatz aus dem BME-Leitfaden: Ziele sollen spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminiert sein.
Der BME-Leitfaden empfiehlt, Ergebnisse der Lieferantenbewertung oder eines Audits in regelmäßigen Abständen zu kommunizieren, teils mit Vergleich zu einer Referenzgruppe. Legen Sie diesen Rhythmus fest und tragen Sie ihn in Ihren Bewertungskalender ein.
Zum Abschluss übernehmen Sie die Logik des Corrective Action Plan: Bei einigen Audit-Formaten werden im CAP Fristen zur Korrektur niedergeschrieben. Halten Sie die vereinbarten Termine schriftlich fest und verschicken Sie eine kurze Zusammenfassung, damit beide Seiten dieselbe Version kennen. Sagen Sie im Bogen offen, dass der Termin ein Beispiel ist und an Ihre Lieferantenklasse angepasst werden muss.
Häufige Fragen
Wie trenne ich Beobachtung und Einschätzung sprachlich? Formulieren Sie die Beobachtung mit Datum, Menge und Quelle als Satz ohne Wertung, etwa "3 von 12 Lieferungen kamen verspätet". Die Einschätzung folgt im nächsten Satz, klar gekennzeichnet als Ihre Sicht.
Was mache ich, wenn eine Maßnahme nicht erledigt wurde? Halten Sie das im nächsten Gespräch als neue Beobachtung mit Quelle fest. Vermeiden Sie Vorwürfe, und fragen Sie nach dem Grund, bevor Sie eine neue Maßnahme mit Termin vereinbaren.
Wie oft sollte ich Bewertungsergebnisse kommunizieren? Ein fester Rhythmus ist sinnvoller als ein Anlass. Die erfassten Quellen nennen keine bestimmte Frequenz, sondern regelmäßige Abstände, per E-Mail oder im persönlichen Gespräch.


