
Warengruppen
Teil von Warengruppenstrategie im Mittelstand entwickeln
Lieferantenmarkt einer Warengruppe systematisch erfassen
Lieferantenmarkt einer Warengruppe erfassen: Warengruppengrenze, Anbieteralternativen, Marktstruktur, Versorgungsrisiko und Folgen im Arbeitsblatt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Warengruppengrenze legt fest, welche Anbieter überhaupt verglichen werden.
- Marktstruktur, Versorgungsrisiko und Anfälligkeit sind drei getrennte Felder, nicht eine Note.
- Die Lieferantenbewertung ist ein Baustein, kein Ersatz für die Marktstrukturerfassung.
Warengruppengrenze und Beschaffungsumfang festhalten
Die Grenze der Warengruppe entscheidet über die Anbieterliste. Laut BME sollen Warengruppen so gebildet werden, dass eine möglichst große Homogenität herrscht und alle Artikel gleich behandelbar sind, möglicherweise sogar von einem Lieferanten bedient werden können. Wer drehende Bauteile, Normteile und Gussteile in eine Gruppe wirft, vergleicht Anbieter miteinander, die unterschiedliche Verfahren fahren.
Ein Beispiel: Eine Warengruppe umfasst drehende und fräsende Bauteile aus Stahl bis 40 kg, 38 Artikel, 7 Lieferanten, davon 4 mit Rahmenvertrag. Diese Werte sind gesetzte Planwerte des Beispiels, keine erhobene Marktgröße. Notieren Sie zusätzlich das Jahresvolumen in Euro und die Zahl der Artikel mit nur einer qualifizierten Quelle. Beide Zahlen tragen die späteren Folgen.
Lieferantenalternativen und Anbieterstruktur auflisten
Für jede Warengruppe gehören verfügbare Alternativen in das Arbeitsblatt. Erfassen Sie je Lieferant die Fertigungsverfahren, die Zertifizierungen, die Kapazität und den Qualifizierungsstand. Halten Sie fest, wer aktuell liefert, wer qualifiziert ist und wer nur auf dem Papier steht. Ein Anbieter ohne Freigabe ist keine Alternative, sondern eine mögliche Reserve mit Projektaufwand.
Die Liste wird schnell unvollständig. Der Leitfaden Ressourceneffizienz verweist für Rohstoffinformationen auf die Deutsche Rohstoffagentur DERA bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Für Metallbauteile liefert das keine Anbieteradressen, wohl aber Hinweise zu Versorgungslagen.
Marktstruktur, Versorgungsrisiko und Anfälligkeit einordnen
Drei Felder bleiben getrennt.
Marktstruktur: Das BME-Whitepaper nennt als Bestandteil der Warengruppenstrategie ausdrücklich die Marktstruktur mit Monopol und Oligopol sowie die Risikobetrachtung, die Lieferantenstrategie single oder multiple und die Marktstrategie global oder lokal. Das Raster ist eine Einordnung, keine Erhebung. Im Beispiel stellen drei Anbieter rund zwei Drittel des regionalen Angebots. Das ist eine betriebliche Einschätzung, keine gemessene Marktstudie.
Versorgungsrisiko: Die VDI 4800 Blatt 2 gliedert es in 16 Kriterien, etwa statische Reichweite, Länderkonzentration, Substitution, Recycling und logistische Beschränkungen. Diese Kriterien betreffen Rohstoffe, nicht Lieferanten im engeren Sinn.
Anfälligkeit: Sie hängt vom Grad der Betroffenheit und den Anpassungsmöglichkeiten ab. Zu den Einflussfaktoren zählt der Leitfaden die Bedarfsmenge und den Einkaufswert des Rohstoffs, zu den strategischen Anpassungen Substitutionsmöglichkeiten und eine Beschaffungsstrategie für den Engpassfall, zu den operativen das Verhandlungsgeschick und eine ausreichende Bevorratung.
Prüfen Sie vor jedem Versand der Verbrauchsdaten, ob die Zahlen verlässlich sind. Rechnungen enthalten oft nur Gesamtverbräuche.
| Feld | Frage | Beispieldaten (gesetzte Planwerte) |
|---|---|---|
| Warengruppengrenze | Was ist gleich behandelbar? | Drehen und Fräsen, Stahl bis 40 kg |
| Beschaffungsumfang | Wie viel und wie viele Artikel? | 2,4 Mio. EUR, 38 Artikel |
| Anbieter | Wer liefert, wer ist qualifiziert? | 7 Lieferanten, 4 mit Rahmenvertrag |
| Marktstruktur | Wie verteilt sich das Angebot? | Oligopol, regional geprägt |
| Versorgungsrisiko | Wo droht Ausfall? | mittel, zwei Einzelquellen |
Folgen für Lieferantenstrategie, Preisstrategie und Beschaffungsweg ableiten
Aus den Feldern folgen Sätze, keine Noten. Bleibt die Struktur oligopolistisch und das Risiko mittel, spricht das eher für mehrere Lieferanten als für eine Partnerschaft. Standardbauteile ohne Alleinstellung lassen sich ausschreiben, weil Wechselkosten niedriger liegen. Einzelquellenbauteile brauchen ein Zweitquellenprojekt, bevor der Preis verhandelt wird.
Ein zweiter Blick gehört auf die Energieeffizienz, wenn Ihr Haus ein Energiemanagementsystem nach ISO 50005 führt. Das Umweltbundesamt beschreibt als Ziel von Element 9 die regelmäßige Bewertung von Lieferunternehmen und Produkten in Bezug auf Energieverbrauch und Energieeffizienz. Auf Level 3 ergänzen Unternehmen die Hilfestellung Lieferantenbewertung um Angaben zur Energieeffizienz und informieren die Lieferunternehmen über die interne Bewertung. Diese Anforderungen gelten, wenn Sie sich für diesen Weg entschieden haben; sie sind keine allgemeine Pflicht.
Legen Sie die Folgen schriftlich ab: Lieferantenanzahl, Preisstrategie und Beschaffungsweg. Wer seinen Lieferantenmarkt nicht erfassen kann, weil Marktdaten fehlen, schreibt die Lücke in das Arbeitsblatt, statt sie zu schließen.
Lieferantenbewertung als ergänzenden Baustein dokumentieren
Die Bewertung einzelner Lieferanten folgt der Marktstruktur, nicht umgekehrt. Eine gute Lieferantennote ändert nichts daran, dass drei Anbieter zwei Drittel des regionalen Angebots stellen. Umgekehrt hebt eine schwache Note keinen Monopolmarkt auf. Dokumentieren Sie getrennt: Wer bietet an, wie ist der Markt aufgebaut, wie anfällig ist die Versorgung und welche Bewertung erhält der einzelne Lieferant. Diese Reihenfolge macht die Folgen nachvollziehbar.
Häufige Fragen
Reicht eine Lieferantenbewertung als Marktanalyse? Nein. Die Bewertung ordnet vorhandene Lieferanten ein, erfasst aber weder die Marktstruktur noch die Anfälligkeit. Beide Felder bleiben separat.
Wie oft sollte ich den Lieferantenmarkt aktualisieren? Ein universelles Intervall ist nicht belegt. Setzen Sie einen eigenen Termin, etwa anlässlich der Strategiebesprechung, und dokumentieren Sie die Annahmen.


