ABC-Analyse sortiert Warengruppen nach Wert in Klassen A, B und C
Bild: Einkaufsgefüge

Warengruppen

Teil von Warengruppenstrategie im Mittelstand entwickeln

Wie priorisiert die ABC-Analyse Warengruppen nach ihrem Wert?

Warengruppen ABC-Analyse: Wertbasis festlegen, Jahresverbrauchswerte sortieren, Anteile kumulieren, Klassengrenzen setzen und Bearbeitungsreihenfolge ableiten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die ABC-Analyse ordnet Warengruppen nach einer selbst gewählten Wertgröße, meist dem jährlichen Verbrauchswert.
  • Sie sortiert absteigend, kumuliert die Prozentanteile und bildet daraus die Klassen A, B und C.
  • Die Klassengrenzen sind keine feste Regel. Sie richten sich danach, welche Entscheidung die Analyse stützen soll.
  • Ein Ergebnis ohne Bearbeitungsreihenfolge bleibt folgenlos.

Wertbasis und Datenbasis festlegen

Der erste Schritt ist eine Entscheidung, keine Rechenaufgabe. Sie legen fest, welche Bezugsgröße den Wert einer Warengruppe ausdrückt. Üblich ist der jährliche Verbrauchswert auf Basis der Kosten. Möglich sind auch der wertmäßige Bestand oder ein Stückdeckungsbeitrag.

Entscheidend ist, dass alle Warengruppen nach derselben Größe bewertet werden. Ein Wechsel der Bezugsgröße innerhalb einer Tabelle macht das Ergebnis unbrauchbar. Die Daten kommen aus dem Warenwirtschafts- oder ERP-System. Dort lassen sich die benötigten Werte je Warengruppe zusammenstellen.

Ziehen Sie die Grenze der Warengruppe klar. Eine Restgruppe ohne gemeinsames Merkmal verzerrt jede Auswertung.

Sortieren, Anteile berechnen, kumulieren

Die Rechenfolge ist immer gleich, unabhängig davon, ob Sie einzelne Artikel oder ganze Warengruppen betrachten.

ABC-Analyse in fünf Schritten

  1. Bewertungsgröße je Warengruppe zuordnen
  2. Absteigend sortieren, Gesamtsumme bilden
  3. Prozentualen Anteil je Gruppe berechnen
  4. Prozentsätze von oben nach unten kumulieren
  5. Klassengrenzen anhand kumulierter Werte festlegen
  1. Ordnen Sie jeder Warengruppe die Bewertungsgröße zu.
  2. Sortieren Sie absteigend und bilden Sie die Gesamtsumme.
  3. Berechnen Sie den prozentualen Anteil jeder Gruppe.
  4. Kumulieren Sie die Prozentsätze von oben nach unten bis 100 Prozent.
  5. Legen Sie anhand der kumulierten Werte die Klassengrenzen fest.

Das folgende Beispiel ist ein gesetztes Rechenbeispiel eines Zerspanungsbetriebs. Alle Werte sind Planwerte, keine erhobenen Marktdaten.

WarengruppeJahresverbrauchswert in EuroAnteilKumuliertKlasse
Metallbauteile420.00042,0 %42,0 %A
Normteile260.00026,0 %68,0 %A
Elektromotoren150.00015,0 %83,0 %B
Verpackung90.0009,0 %92,0 %B
Werkzeuge55.0005,5 %97,5 %C
Bürobedarf25.0002,5 %100,0 %C
Summe1.000.000100,0 %

Wichtig sind die kumulierten Anteile, nicht die Einzelanteile. Sie zeigen, ab welcher Warengruppe die ersten 70 oder 90 Prozent des Wertes erreicht sind.

Klassengrenzen bewusst setzen

Die ABC-Analyse schreibt keine Grenzen vor. Die Festlegung hängt davon ab, welche Entscheidung die Analyse unterstützen soll. Übliche Grenzen liegen bei 70 und 90 Prozent, es sind aber auch 30 und 70 oder 50 und 80 Prozent möglich. Die B-Gruppe umfasst laut weclapp meist etwa 10 bis 40 Prozent.

Im Rechenbeispiel ergeben Grenzen bei 70 und 90 Prozent: Metallbauteile und Normteile bilden die Klasse A, Elektromotoren und Verpackung die Klasse B, Werkzeuge und Bürobedarf die Klasse C. Setzen Sie die Grenzen anders, verschiebt sich die Zuordnung. Das ist kein Fehler, sondern eine bewusste Entscheidung.

Eine Voraussetzung gilt: Eine ABC-Analyse ist nur sinnvoll, wenn deutliche Unterschiede zwischen den Objekten bestehen. Bewegen sich alle Warengruppen auf ähnlichem Niveau, gibt es nichts zu priorisieren.

Bearbeitungsreihenfolge ableiten

Aus der Klasse folgt der Aufwand. Für die A-Gruppe lohnt die intensivste Bearbeitung. Dazu gehören Verhandlungen über bedarfsgerechte Lieferung und kurze Lagerdauer. Die B-Gruppe behandeln Sie nach Einzelfall. Die C-Gruppe lässt sich mit geringem Steuerungsaufwand bewirtschaften.

Die Methode hat Grenzen. Sie betrachtet ausschließlich quantitative Größen und lässt qualitative Einflussfaktoren außer Acht. Fragen der Versorgungssicherheit, Substitutionsmöglichkeiten oder Lieferantenabhängigkeit erfasst sie nicht. Prüfen Sie deshalb vor jeder Entscheidung, ob ein Engpassrisiko die Einstufung überlagert.

Als zweite Dimension lässt sich die XYZ-Analyse ergänzen. Sie ordnet den Bedarf nach Konstanz ein: X für gleichmäßig und gut planbar, Y für schwankend oder saisonal, Z für unregelmäßig und schwer prognostizierbar. Die ABC-Analyse allein reicht oft nicht aus, weil sie zur Nachfragekonstanz keine Aussage trifft.

Aus der Kombination entstehen Handlungsempfehlungen. Bei hohem Wertanteil und konstantem Bedarf ist Just-in-Time eine Option. Bei mittlerem Wertanteil und schwankendem Bedarf passt eine bedarfsnahe Beschaffung. Geringer Wertanteil mit schwankendem Bedarf spricht für Vorratsbeschaffung.

Häufige Fragen

Wie viele Klassen sind sinnvoll?
Drei Klassen sind üblich. In Ausnahmefällen sind mehr Klassen möglich, etwa eine ABCD-Analyse.
Muss ich die A-Grenze immer bei 70 Prozent setzen?
Nein. Sie legen die Grenze selbst fest, abhängig vom Ziel der Analyse.
Was mache ich bei ähnlichen Werten aller Warengruppen?
Dann trägt die ABC-Analyse keine Priorisierung. Sie brauchen ein anderes Kriterium.

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